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Abstrakt

Befreiraum ist ein Raum, den wir gemeinsam schaffen um zu verstehen, zu lernen und uns auszutauschen. Befreiraum wurde initiiert und entstand mit einer Reihe an Workshops, versteht sich mittlerweile aber als Kontext vielschichtiger Initiativen, die thematisch und zeitlich nicht an die Workshopreihe geknüpft sein müssen.

Wir wollen verstehen: Welche Machtverhältnisse bestimmen die Gesellschaft? Wie können wir uns von ihnen befreien? Wir wollen lernen, was es heißt Raum einzunehmen und zu geben. Feminismus muss intersektional gedacht werden – Feministische Befreiung wendet sich daher gegen jede Form der Beherrschung.

Befreiraum lädt euch ein sich an diesem Prozess zu beteiligen! Das geht als Workshopleitung oder mit der Teilnahme an Befreiraum, aber auch mit dem Einbringen von Ideen, die als Rahmenprogramm zu Befreiraum passen könnten!

Call for Workshops bis zum 23.07.: https://derknoten.wien/bfrm-call

Die Befreiraum Workshopreihe

Hard Facts

Vom 22.10.-05.11.2022 finden circa 10 Workshops statt, die mit einem Abschlussfest inkl. Ausstellung, Unterhaltung und Partizipation gefeiert werden. Die Anmeldung ist voraussichtlich von 01.-15.10. Die Workshops sollen Anschluss zu aktuellen feministischen Debatten und Konflikten geben. Die Themen spielen sich in ausgewogenem Verhältnis zwischen politischer Bildung und künstlerisch-aktivistischer Partizipation ab.

Ziele

Wir möchten mit unserem Programm den Erwerb von Wissen über Strukturen und Prozesse in einer patriarchalen, kapitalistischen Gesellschaft ermöglichen und diese im Sinne eines intersektionalen Feminismus kritisch betrachten.

Befreiraum möchte durch Partizipation und das Erlernen von Handlungsansätzen (die Vermittlung von Handlungsmöglichkeiten), zu Engagement gegen Rassismus, Sexismus und andere Formen von Diskriminierung aufrufen. Dabei ist es uns wichtig auf die individuelle Bereitschaft und Möglichkeit zu öffentlichem Konflikt einzugehen. Selbstermächtigung und das Erkennen des eigenen Handlungsspielraum wird hier reflektiert.

Zielgruppe

Willkommen sind grundsätzlich alle Menschen. Es werden Workshops für Einsteiger*innen und für Menschen mit mehr Vorwissen angeboten. Wo bestimmten Menschen der Zugang zu anderen sozialen Räumen verwehrt wird, wollen wir ihnen den Zugang erleichtern. Menschen mit Diskriminierungserfahrung haben im Zweifel Vorrang.

Die Sprache der Workshops ist größtenteils Deutsch, auch Workshops auf Englisch sind unter anderem zu erwarten.

Rahmenprogramm

Im Rahmen der Reihe wird es außerdem offene Treffen zur Vernetzung, zum Kennenlernen und zum formlosen Austausch geben. Mit Kollektiven, Organisationen und Personen möchten wir kollaborieren, um das Netzwerk an Austausch und Angebot zu stärken.

Fluchtpunkte

Im Mittelpunkt von Befreiraum steht das Schaffen eines gemeinsamen Raums. Die Workshops sind interaktiv und die Grenzen zwischen Teilnehmen und Gestalten fließend. Befreiraum ist ein Raum, um sich auszuprobieren, auch und gerade für alle mit wenig Vorwissen und Erfahrung. Befreiraum ist ein Raum für Reflexion: Wie erfahre ich den Raum, den ich mit anderen teile? Wie handle ich darin? Wo verlaufen Grenzen in diesem Raum? Wie ist der soziale Raum geordnet? Wie komme ich in dieser Ordnung vor? Wie kann ich Position beziehen, mich einmischen und widersprechen?

Kritische (Bewusstseins-)Bildung muss über die bestehenden Verhältnisse hinausweisen. Befreiraum versucht Wissen und Reflexionsvermögen zu vermitteln. Wie können gesellschaftliche Konflikte erklärt werden? – Von Ungleichheit, über Diskriminierung bis hin zu Gewalt. Wieso ändert sich nichts? Und wie lassen sich die Spuren der Unfreiheit bis in unser eigenes Denken zurückverfolgen? Auf einer niederschwelligen Ebene erkunden wir gemeinsam diese Fragen.

Eines der präsentesten Konfliktfelder ist die Geschlechterungleichheit. Warum sind Macht, Reichtum, und Arbeit zwischen den Geschlechtern ungleich verteilt? Und warum muss ich mich überhaupt einem Geschlecht zuordnen? Der Feminismus liefert wichtige Perspektiven. Befreiraum stellt sich klar gegen eine essentialistische, bzw., biologistische Vorstellung von Geschlecht. Geschlecht ist eine Kategorie, die die gesellschaftliche Ordnung strukturiert. Diese Ordnung wird von uns verinnerlicht und formt so die geschlechtlichen Differenzen zwischen uns. Die Gesellschaft trennt beispielsweise zwischen Öffentlichem und Privatem, zwischen Arbeit und Familie. Vor allem durch einen Blick in die Vergangenheit erkennen wir darin das traditionelle Hausfrau–Ernährer Modell, das wiederum die geschlechtlichen Stereotype bestimmt. Doch auch wenn heute vielerorts die rechtliche Gleichstellung der Geschlechter erreicht wurde und mehr Führungspositionen weiblich besetzt sind, bleibt der Konflikt zwischen Karriere und Familie bestehen, sind Arbeit, Beziehung und Sexualität nach wie vor geschlechtlich heteronormativ geregelt. Nicht selten führt das zu Benachteiligung, Diskriminierung und sexualisierter Gewalt, bis hin zu Frauenmord. Da zudem der Großteil des globalen Einkommens und Reichtums Männern zufällt, sprechen wir vom Patriarchat.

Um diese Zustände zu erklären und zu kritisieren, fällt der Blick immer wieder auf die bürgerlichen Herrschaftsverhältnisse: Staat, Nation und Kapital. So sind die Bedingungen unter denen Arbeit und Reproduktionsarbeit geteilt werden ein zentrales Anliegen des Staates, wenn es darum geht die nationale Wirtschaft abzusichern. Unter dem Stichwort global care chain lässt sich beispielsweise auch die oft von billigen ausländischen Arbeitskräften übernommene Sorge-Arbeit in den Zusammenhang der globalen Herrschaft einordnen. Mit dem Thema Migration wird hier also auch der intersektionale Anspruch betont: Geschlechterungleichheit, bürgerliche Herrschaft und globale Ausbeutung, bzw., rassistische Diskriminierung gehen miteinander einher.

Neben dem Wissen über die Verhältnisse und dem Vermögen, eigene Erfahrungen und eigenes Denken zu reflektieren, geht es uns auch um politische Partizipation. Befreiraum soll dazu ermutigen, sich einzumischen. Politische Partizipation kann zum Beispiel bedeuten, sich um politische Interessen herum zu organisieren, diese zu vermitteln und einzufordern. Dazu zählt, Zivilcourage zu zeigen und im Alltag für sich und andere einzustehen, aber auch die künstlerisch kreative Auseinandersetzung mit den genannten Themen.

Hier findest du den Befreiraum 2021.

English

Abstract

Befreiraum is a space that we create together in order to understand, learn and exchange. Befreiraum was initiated and developed with a series of workshops, but now sees itself as a context of multi-layered initiatives that do not have to be thematically or temporally linked to the workshop series.

We want to understand: Which power relations determine society? How can we free ourselves from them? We want to learn what it means to take up and give space. Feminism must be thought intersectionally - feminist liberation therefore opposes every form of domination.

Befreiraum invites you to participate in this process! You can do this as a workshop leader or by participating in Befreiraum, but also by bringing in ideas that could fit into Befreiraum as a framework programme!

The Befreiraum workshop series

Hard Facts

From 22.10.-05.11.2022 there will be about 10 workshops, which will be celebrated with a closing party including an exhibition, entertainment and participation. Registration is expected from 01.-15.10. The workshops will provide a connection to current feminist debates and conflicts. The topics will play out in a balanced relationship between political education and artistic-activist participation.

Goals

With our programme, we want to enable the acquisition of knowledge about structures and processes in a patriarchal, capitalist society and to look at them critically in the sense of an intersectional feminism.

Befreiraum wants to call for engagement against racism, sexism and other forms of discrimination through participation and the learning of approaches to action (the communication of possibilities for action). In doing so, it is important for us to address the individual willingness and possibility for public conflict. Self-empowerment and the recognition of one's own scope for action are reflected here.

Target group

All people are welcome. Workshops are offered for beginners and for people with prior knowledge. Where certain people are denied access to other social spaces we want to facilitate their access. In case of doubt, people with experience of discrimination have priority.

The language of the workshops is mostly German, workshops in English are also to be expected.

Framework programme

As part of the series, there will also be open meetings for networking, getting to know each other and informal exchange. We would like to collaborate with collectives, organizations and individuals to strengthen the network of exchange and offer.

Vanishing points

At the heart of Befreiraum is the creation of a shared space. The workshops are interactive and the boundaries between participating and creating are fluid. Befreiraum is a space to try things out, also and especially for those with little prior knowledge and experience. Befreiraum is a space for reflection: How do I experience the space I share with others? How do I act in it? Where do boundaries run in this space? How is the social space ordered? How do I appear in this order? How can I take a position, interfere and contradict?

Critical (consciousness-) education must point beyond the existing conditions. Befreiraum tries to impart knowledge and the ability to reflect. How can social conflicts be explained? - From inequality to discrimination to violence. Why does nothing change? And how can the traces of unfreedom be traced back to our own thinking? On a low-threshold level, we explore these questions together.

One of the most present areas of conflict is gender inequality. Why are power, wealth, and work unequally distributed between the sexes? And why do I have to assign myself to a gender at all? Feminism provides important perspectives. Befreiraum clearly opposes an essentialist, or biologistic notion of gender. Gender is a category that structures the social order. This order is internalised by us and thus shapes the gender differences between us. For example, society separates between the public and the private, between work and family. Especially by looking at the past, we recognise the traditional housewife-nurturer model, which in turn determines gender stereotypes. But even though legal gender equality has been achieved in many places today and more management positions are occupied by women, the conflict between career and family remains, and work, relationships and sexuality are still gender heteronormatively regulated. Not infrequently, this leads to disadvantage, discrimination and sexualised violence, up to and including femicide. Moreover, since the majority of global income and wealth accrues to men, we speak of patriarchy.

In order to explain and criticise these conditions, the gaze repeatedly falls on the bourgeois relations of domination: State, nation and capital. Thus, the conditions under which labour and reproductive work are shared are a central concern of the state when it comes to securing the national economy. Under the heading of global care chain, for example, the care work that is often taken over by cheap foreign labour can also be placed in the context of global domination. With the topic of migration, the intersectional claim is also emphasised here: gender inequality, bourgeois domination and global exploitation, racist discrimination, go hand in hand.

Here you can find Befreiraum 2021.